ORTSCHRONIK

Nasgenstadt – Geschichte eines ehemals katholischen Pfarrdorfes

Auszüge aus der Ortschronik von Kurt Glatthaar jun., erschienen am 22.10.1992.

Inhalt:

  • I. Der Ortsname
  • II. Ortsbeschreibung
  • III. Bevölkerung
  • IV. Die Herren Nasgenstadts
  • V. Kirche und Kapellen in Nasgenstadt
    • Pfarrkirche St. Petrus und Paulus
    • Die Posthalterkapelle
    • Die Kapelle Hl. Wendelin
  • VI. Gewässer in Nasgenstadt
    • Die Donau
    • Der Hirtensee
    • Die Donauschifffahrt
  • VII. Ausführende Rechtspflege und Steuerwesen
    • Strafmittel der Rechtspflege
    • Die Steuern
  • VIII. Kriegsjahre in Nasgenstadt
    • Der Dreißigjährige Krieg
    • I. Weltkrieg
    • II. Weltkrieg
  • IX. Schulwesen
  • X. Wirtschaft
    • Landbau
    • Obstzucht und Weinbau
    • Landwirtschaft
    • Eisverkauf
    • Fischereiwesen
    • Schmiedehandwerk
    • Zunft- und Handwerksstreitigkeiten
    • Privatwasserleitungsgenossenschaft
    • Molkereigenossenschaft
  • XI. Historische Vereine
    • Kriegerverein
    • Darlehenskassenverein Nasgenstadt
    • Kirchliche Vereine / Bruderschaften
    • Fahrradverein „Concordia“
  • XII. Quellenangaben
  • XIII. Das Heimatlied „Mein Nasgenstadt“

I. Der Ortsname

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Nasgenstadt wurde erstmals urkundlich CHR 1135 (Marcwardus presbiter de Nazzegostetin) in der Zwiefalter Chronik S. 116 und in der Monumenta Germaniae Historica, Necrol., I. S. 248 (Marquart pbr. de Nazzegostetin) mit dem Ortsnamen Nazzegostetin erwähnt. Danach hat ein Priester namens Markward von Nazzegostetin (aus einer der hohen Familien der Gegend?) um 1089 das Kloster Zwiefalten mit Gütern in Reutlingen und dem gräflich achalm-urachischen und pfalzgräflich-tübingischen Derendingen, sowie mit Geld und einem wertvollen Reliquienkreuz beschenkt.

Nasgenstadt war eine Ansiedlung des älteren Landausbaus – eine „Siedlung auf dem von Brennnesseln bedeckten Platz“ oder „die von Brennnesseln umgebene Siedlung“. Die Entscheidung, ob Nazzegostetin eine ursprüngliche Stellenbeschreibung oder ein ursprünglicher Siedlungsname gewesen ist, muss offen bleiben. Nazzegostetin enthält das Adjektiv nazzag nesseling (aus Brennnesseln bestehend), eine Ableitung vom althochdeutschen nazza (Brennnessel). Der Ortsname Nasgenstadt leitet sich somit aus dem ursprünglichen Namen Nazzegostetin über Nassigunstat (13. Jh.), Nasgunstat, Naschgenstat (14. Jh.), Nassgastat (15. Jh.), Natzgostad (16. Jh.) bis zu Nasgenstatt (17./18. Jh.) ab.

II. Ortsbeschreibung

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Der Kern von Nasgenstadt liegt auf 504 m Höhe in einer Verbreiterung des nördlichen Donau-Ufers, das anschließend steil zum Ehinger Albrand bis über 560 m ansteigt. Die Altgemarkung reicht über die im Lauf korrigierte und verkürzte Donau bis zu den ersten Anhöhen des tertiären Ingerkinger Hügellandes, schließt also alte Flussarme und die südliche Überschwemmungsebene (Wasserstall, Fischerwiesen, Seewiesen, Krummer See, Riedle) ein.

Die Siedlungsfläche von Nasgenstadt hat sich seit Anfang der 60er Jahre durch Ausweisung großer Neubauareale im Westen und südlich der früher die Albhochfläche erschließenden Alten Steige sowie des Baugebiets Gollenäcker mehr als verfünffacht. Achse des alten Haufendorfes ist die Kapellenstraße, die mit der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul im Osten und der Sankt Wendelinskapelle im Westen die Endpunkte der Kernbebauung markiert. Ihre westliche Begrenzung stellt die Schmiedgasse dar, in deren Fortsetzung die 1945 gesprengte Brücke die Donau querte. Ufernahe Anwesen werden, wie durch die Schmiedgasse, durch weitere, zur Donau führende Sackgassen erschlossen – so durch die Annagasse und die Ufergasse, die sich nach dem Krieg in einer Notbrücke über die Donau fortsetzte (die Furt wird heute noch für militärische Übungen genutzt).

Seit 1952 überspannt eine neue Brücke die Donau; sie stellt über die Neue Steige als in den Steilabfall eingeschnittene, weitgehend zur Alten Steige parallel verlaufende L 259 eine Verbindung zur Hochfläche und nach Ehingen sowie zu den Gemeinden Griesingen und Berg (über die K7355) her. In leicht erhöhter Lage befindet sich – östlich des Straßenknicks der Neuen Steige, nördlich durch die ebenfalls zur B311 führende, aber für den Durchgangsverkehr nicht zugelassene Gamerschwanger Straße und südlich von den ufernahen Wiesen der leicht nach Süden ausschwingenden Donau begrenzt und nur durch den als zweigeteilte Sackgasse endenden Kirchweg erschlossen – die von Gehöften umgebene Pfarrkirche.

Der ummauerte Friedhof umschließt das streng nach Osten ausgerichtete Gotteshaus von 1729, das mehrfach renoviert wurde (zuletzt 1987/1988); sein Westturm, im Glockengeschoss achteckig, wird von einer Zwiebelhaube gekrönt. In die südliche Friedhofsummauerung ist das 1803 errichtete Pfarrhaus eingelassen, dessen Dach über den zwei Geschossen abgewalmt ist.

Das heute von der Neuen Steige durchschnittene Zentrum des Dorfes an der Gabelung der Kapellenstraße in die Gamerschwanger Straße und in den Kirchweg ist noch an einigen zentralen Einrichtungen (z.B. Viehwaage) erkennbar. Das ältere Schulhaus als späterer Teil der ehemaligen, nunmehr auf die Hochfläche ausgelagerten Firma Möbel Borst ist jetzt in privater Hand; die in ihm untergebrachte Gemeinschaftsgefrieranlage blieb bis zu ihrer Auflösung 2002 in Gemeindebesitz. Ende des 19. Jh. wurde genau im Winkel der genannten Wegegabelung ein Schul- und Rathaus errichtet. Während die Schule bis 1973 in Funktion blieb, siedelte das Rathaus 1966 in ein von der Gemeinde 1962/1963 erworbenes und instandgesetztes Bauernhaus an der Ecke Kapellenstraße/Ufergasse um. Das alte Schul- und Rathaus beherbergt den Gemeindesaal und steht den Ortsvereinen zur Verfügung.

Ebenfalls in zentraler Lage, in der Annagasse, befindet sich das Gemeindebackhaus (früher zugleich Molkerei und Dorfwaschküche), in dem Räume des Sportvereins (u.a. mit Duschen) untergebracht sind (der Sportplatz liegt jenseits der Donau in der südöstlichen Gemarkung). Unter Denkmalschutz steht (neben Pfarrkirche und Pfarrhaus) ein Bauernhof an der Gamerschwanger Straße, ein ehemals zum Kloster Urspring gehörendes, zweigeschossiges Gebäude (1721) mit geschnitztem Fachwerk und steilem Satteldach.

Den westlichen Abschluss des alten Dorfes bildet die Wendelinskapelle von 1695/96, ein kleiner Bau mit hochovalen Fenstern und einem ins zweijochige Schiff nach Norden eingelassenen achteckigen Türmchen, das eine Zwiebelhaube trägt. Westlich der Kapelle, zunächst mit nur wenigen Parzellen unterhalb der Alten Steige im Kreuzungsbereich von Am Hang / Am Hetzling, begann ab den frühen 60er Jahren die Neubautätigkeit von Nasgenstadt. Sie setzte sich 1967 – weiterhin unter der Aussparung der ufernahen Bereiche – nach Westen fort. Der große Wohnraumbedarf im Einzugsbereich von Ehingen führte 1971 zur großflächigen Erschließung der westlich und südlich angrenzenden Areale, wobei eine mehrgliedrige Reihenhaus-Bebauung bis nahe an das Donau-Ufer trat. Die zum Teil recht steile Hanglage ermöglichte talseitig eine 2 bis 2 ½-geschossige Bauweise, die auch bei den Neubauten des 1978 ausgewiesenen, noch nicht vollständig bebauten Gebietes in weiterhin westlicher und zudem nördlicher Nachbarschaft der älteren Ausbaugebiete vorherrscht.

Ein Zusammenwachsen mit der nach Osten strebenden Wohnbauentwicklung wird seit 1997 im Baugebiet „Alter Postweg“ vollzogen, das den 1979/1980 errichteten Kindergarten als ehemals im äußersten Westen gelegenes Gebäude von Nasgenstadt einschließt. An der B311 Ehingen – Gamerschwang steht am Lärmschutzwall des Baugebiets „Alter Postweg“ ein Steinkreuz, der Rest einer ursprünglichen Dreiergruppe, das in jüngster Zeit mit einem neuen Steinkreuz ergänzt wurde. Diese Gruppe wird als „Malefizkreuze“ bezeichnet und mit dem Malefizschenken, dem Grafen Schenk von Castell in Oberdischingen, in Zusammenhang gebracht (eventuell ist sie früheren Datums / Pestkreuz). Ein weiteres steht an der Straße Nasgenstadt – Griesingen. Es ist tief eingesunken und liegt ca. 500 Meter südöstlich der Donaubrücke. Von Ehingen führte die römische Donaustraße in den alten Postweg und vereinigte sich nach 1,3 km wieder mit der Dauphinenstraße; eine Grabung gegenüber von Nasgenstadt ergab 50 cm unter der heutigen Straße eine Straße mit großen Pflastersteinen.

III. Bevölkerung

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Nasgenstadt ist, nachdem es lange Zeit kein Wachstum zu verzeichnen hatte (die Kindersterblichkeit lag um die Jahrhundertwende teilweise über 80%), in den Jahren ab 1961 immer größer geworden.

  • 1871: 280 Einwohner
  • 1890: 233 Einwohner (in 42 Wohngebäuden)
  • 1910: 232 Einwohner (davon 111 männlich, 121 weiblich; 1 ev.)
  • 1933: 214 Einwohner (in 46 Haushaltungen; 110 männlich, 104 weiblich; alle römisch-katholisch)
  • 1980: 646 Einwohner (davon 81% katholisch, 13% evangelisch)
  • 1992: 1.042 Einwohner (davon 152 ev., 772 rk. und 117 vd.)
  • 2002 (01. Juli): 1.452 Einwohner

IV. Die Herren Nasgenstadts

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Lehensherren sind von Anfang an die Grafen von Berg, später die Gundelfinger und Österreich. Graf Konrad von Berg, der letzte seines Stammes, trat im Hinblick auf das bevorstehende Aussterben seines Geschlechtes kurz vor seinem Tode im Jahr 1343 die Grafschaft käuflich an Österreich ab.

Belehnt erscheinen 1278 die Wyhsler, welche 1408 ihr Besitztum an Dietrich von Ehestetten verkauften, worunter sich einige Höfe, die damals hölzerne Donaubrücke mit Bruckstall, dazu die Burg zu Nasgunstat (von der man bereits 1826 keine Spur mehr findet) und den Burgstall (der mit einem Graben versehen war) befanden. 1438 erwarb Kloster Heggbach diesen Besitz. Schon vor 1336 hatte auch das Kloster Urspring Besitz und Rechte an Nasgenstadt.

Im 15. Jahrhundert sind außer diesen Klöstern die Adeligen Graben von Nasgenstadt (ein Grabenhof wird bereits 1390 erwähnt), die Harscher, durch Kauf von ihnen die Schynen zu Gamerschwang, die Ulmer Greck und Kraft, die Stotzingen zu Oberdischingen und die Frenberg begütert.

Ab 1442 erwirbt das Spital und die Stadt Ehingen allmählich fast den ganzen Ort. So hatte bereits 1408 das Spital in Nasgenstadt Besitz erworben (Bauernhöfe und Gütle). 1442 verkauft das Kloster Heggbach ihm für 2.200 fl. den Burgstall mit Mauern, Gräben und anderem Zubehör, 3 Höfe und 6 Sölden, die Bruck samt Bruckstall und zugehörigem Zoll und den Hirtenstab. 1485 geht das Vogtrecht und die Lehenschaft des Kirchenamts zu Nasgenstadt samt Zehnten von der Kraft über, 1505 die Wiese Wasserstall von Pfaff Frankenhofer, 1612 die auch von Württemberg beanspruchten Praberger Güter samt Fischwasser in Nasgenstadt und dem „bergerischen Kaplaneihäusle“, 1656 von Sigmund von Stotzingen Fischerwiesen zu Nasgenstadt. 1666/67 wurde durch das Spital die Herberge zu Nasgenstadt neu erbaut. Nur Urspring behielt einigen Besitz, so dass die Gerichts- und Polizeiordnung von 1697 von Bürgermeister und Rat, sowie den Spitalpflegern von Ehingen und der Meisterin von Urspring unterzeichnet ist. Sie ist ein aufschlussreiches Spiegelbild vom seinerzeitigen Dorfleben, da das ganze öffentliche Leben vom Glaubens- und Sittenleben der Kirche durchwoben und unterbaut war.

Zu Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts spielten Streitigkeiten mit einem Frenberg wegen dessen Stuterei eine Rolle. Kaiser Karl V. erteilte 1532 der Stadt Ehingen als Oberpfleger des Spitals die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über Nasgenstadt. Folgende Vereinbarungen mit den Herrschaften der Minderheiten wurden getroffen:

  • Ehingen besitzt in Nasgenstadt eine hohe Obrigkeit und setzt daselbst einen Gerichtsmann ein.
  • Die Niederschrift betreffend: Frevel innerhalb des Etters zu behandeln, steht Ehingen zu; bei neuen Geboten und Verboten steht der Grundherrschaft, zu welcher der Frevler gehört, die Hälfte des Strafgelds zu.
  • Frevel außerhalb des Ortes werden von der zugehörigen Herrschaft bestraft und das halbe Strafgeld fällt an Ehingen.
  • Bei Freveln der Ehinger Untertanen fällt das Strafgeld ganz an Ehingen, wie auch bei fremden Delinquenten, deren Frevel von diesem als der Gerichtsherrschaft geahndet wird.
  • Das Ehinger Privilegium von 1532, durch das der Stadt Hoch- und Niedergericht über Nasgenstadt und andere Spitalorte zugestanden wird, gilt nur salvo jure tertii, nicht zum Rechtsnachteil der anderen daselbst begüterten Herrschaften.
  • Gebot und Verbot (= Dorfordnung) in Nasgenstadt haben die Grundherren daselbst in gegenseitigem Einvernehmen zusammen aufzustellen oder abzuändern.
  • Gebot und Verbot im Zusammenhang mit dem Einzug von Rente, Zins, Gülten usw. bleibt den einzelnen Herrschaften unbenommen, wie überhaupt die Oberherrlichkeit über ihre Güter und deren Inhaber.
  • Die Mitglieder des Dorfgerichts sind auch aus den Untertanen der anderen drei daselbst begüterten Herrschaften zu wählen.
  • Der Ehinger Gerichtsamtmann macht Anzeige von geschehenen Freveln beim jeweiligen Schultheiß der zugehörigen Herrschaft, der es letzterer weiterleitet.

Den Zehnten hatte zuletzt – den großen das Spital Ehingen, weniges davon die Pfarrei und Stiftungspflege, den kleinen die Pfarrei. Als Nasgenstadt zu Württemberg kam, wurde es 1806 dem Oberamt Ehingen, 1938 dem Landkreis Ehingen zugeteilt. Am 01.08.1971 wurde es nach Ehingen eingemeindet. Um 1810/11 gehörte auch Gamerschwang zur Schultheißerei Nasgenstadts.

Das Patronat mit dem Widdum besaßen die Herren von Gamerschwang und später die Herren Kraft zu Ulm, welche es auch nach dem Verkauf von Gamerschwang behielten. Heinrich Kraft gab den Zehnten, weil ihn der Besitz mit seinem Gewissen belastete, dem Concilium zu Basel zurück, und dieses stellte ihn 1441 dem Pfarrer von Nasgenstadt zu. 1485 verkauften die Herren Kraft zu Ulm das Patronatrecht an das Spital, wobei vom Papst Innozenz III. diesem die Kirche schon 1484 einverleibt wurde. 1498 wird die Frühmesspfründe, weil der Stiftungsbrief verloren gegangen war, erneuert. 1506 präsentieren die Spitalpfleger für die Pfarrei. Der Magistrat ernennt Dr. Hieronymus Winkelhofer zum Dank dafür, dass er zuvor auf die Bitten der Stadt einen zwischen dem Spital und einem unberechtigten Eindringling in die Pfarrei schwebenden Prozess geführt hatte, zum Patronat. Winkelhofer ließ aber die Pfarrei durch einen Verweser verwalten.

Neben der Pfarrei hatte Nasgenstadt von alten Zeiten her auch eine Kaplanei, welche zwar 1495 mit der Pfarrei vereinigt, 1720 aber davon wieder getrennt wurde. Das Patronatrecht über Pfarrei und Kaplanei übte namens des Spitals der Magistrat zu Ehingen aus, bis es 1806 zur Krone überging.

V. Kirche und Kapellen in Nasgenstadt

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Pfarrkirche St. Petrus und Paulus

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Sie bildet zusammen mit Pfarrhaus, Friedhof und Ölberg ein schönes Ensemble und überrascht durch die hervorragende Ausstattung, welche den an sich kleinen Raum fast sprengt. Unter Beibehaltung des gotischen Chors, der mit einem barocken Stichkappengewölbe überdeckt ist, wurde 1729 die heutige Kirche erbaut. Der Westturm (erbaut 1749) ist im Unterbau viereckig, oben geht er in ein Achteck über und wird mit einer zwiebelförmigen Kuppel bedeckt.

Dass die Dorfkirche Kunstwerke von hohem Rang aus dem Barock besitzt, ist David Werrer als großem Auftraggeber mit feinem Gespür für Qualität zu danken. Er war 1720 bis 1765 in Nasgenstadt Pfarrer, Doktor des kanonischen Rechts und apostolischer Protonotar und berief vor allem drei Bildhauer, die später in bedeutenden Kirchen ihre Meisterwerke schufen:

  • Ägid Verhelst schuf die vier Stuckreliefs Maria, Josef, Peter und Paul, die in die Kirchenwände eingelassen sind. Von ihm ist wohl auch die Muttergottes mit stehendem Kind von 1745.
  • Ein geradezu dramatischer Kerker-Christus hinter Gittern im südlichen Vorzeichen stammt von Anton Sturm.
  • In besonderem Maße ist Dominikus Hermegild Herberger dort vertreten: die zierlich elegante Taufe Christi auf dem Taufstein, die beiden Johannesbildwerke auf den Chorstühlen, die prächtige Kanzel (sign. 1730) mit dem posauneblasenden Engel auf der Weltkugel. Einander zugeordnet im Chorbogen sind von ihm die Schmerzensmutter und Johannes. In den schönen Altaraufbau mit doppelten Wolkenkränzen und Putten strömt gelbes Licht hinein, in dem die Engel federleicht schweben.

An der südlichen Schiffswand befindet sich in einer Nische die Immaculata von 1731 im Sternenkranz. Sie ist flankiert von zwei großen gefassten Holzbildwerken der Hl. Carl Borromäus und Nepomuk, die nach der Zuschreibung eines Künstlers von Rang bedürfen, wie auch die liebliche Immaculata auf dem linken Seitenaltar. Die Ausstattung der drei Altäre und der Kanzel sind einheitlich dem Spätbarock zuzuschreiben. Das Deckengemälde im Chor mit Darstellung des Abendmahles wurde 1741 von J.A. Mölckh restauriert. Wie die Stifter aus Adel und Patriziat hat sich Pfarrer Werrer in einem steinernen Wappen verewigen lassen.

Die Posthalterkapelle

(HTML-Anker: posthalterkapelle)

Die „Posthalterkapelle“ an der B311 wurde vom letzten Ehinger Posthalter Felix Lindner gestiftet und 1872 erbaut. Durch die Schenkung kam die Kapelle, die heute von zwei Kastanienbäumen beschattet ist, von Heufelden nach Nasgenstadt. Ursprünglich war die Kapelle mit einer Statue der schmerzhaften Mutter Gottes ausgestattet, an die die Inschrift unter dem Dachvorsprung erinnert. Heute haben fünf Reliefs, die früher zu einem Prozessionsweg zwischen Ehingen und Nasgenstadt entlang des alten Postwegs gehörten, einen Platz gefunden.

Die Kapelle Hl. Wendelin

(HTML-Anker: wendelinskapelle)

Die Kapelle wurde bereits in den Jahren 1695/96 erbaut. Sie weist ein zweijochiges Schiff, einen dreiseitig geschlossenen Chor mit Stichkappengewölbe und hochovale Fenster auf. Die Westfassade ist mit einer Bauinschrift über dem Portal und der Jahreszahl 1695 versehen. Das Pilasterportal stellt sich mit geborstenem Halbkreisgiebel, hochgezogenem Volutengiebel mit Muschel-Ädikula als Skulpturennische dar, darüber das achteckige Glockentürmchen mit Zwiebelhaube. Der Hochaltar, der die Hl. Dreieinigkeit bei der Himmelfahrt Mariens, schwebend über der Gemeinde Nasgenstadt, darstellt, und die Figuren der Jungfrau Maria mit Kind, des St. Wendelin und des Hl. Siegfrieds stammen aus dem 18. Jahrhundert.

VI. Gewässer in Nasgenstadt

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Die Donau

Der Name Donau (lateinisch danubius) ist vermutlich nach seinen Hauptbestandteilen, dem Stamm danu, in den Ländern der unteren Donau entstanden, wo Skythen und Traker beieinander gewesen sind. Denn die Bezeichnung Danos, Danus = Strom erweist sich als Gemeingut dieser beiden Volksstämme. Dass der Name bis zur oberen Donau gelangt ist, ist ein weiterer Beweis dafür, dass in vorgeschichtlicher Zeit eine Völkerbewegung donauaufwärts ging. Das Suffix -uvuis lässt darauf schließen, dass es die Kelten waren, welche das Wort bei uns heimisch gemacht haben.

Sobald die Donau unterhalb Munderkingens aus den harten felsigen Kalken des weißen Jura in die weichen Tertiärschichten heraustritt, verbreitert sich das Tal und der Fluss nimmt in dem meist sandigen und kiesigen Untergrund seinen Lauf in Krümmungen und Schleifen unter fortwährendem Angriff der wenig widerstandsfähigen Ufer. Das durch die vielen Windungen verminderte Gefälle und die hierdurch, sowie durch die Uferabbrüche verursachten streckenweisen Versandungen des Flusses verursachten bei höheren Wasseranschwellungen erhebliche Schäden für die anliegenden Ländereien.

Dadurch, dass der Fluss schon bei den meist zur Erntezeit eingetretenen mittleren Sommerhochwassern sein Bett verließ und das Ufergelände überschwemmte, wurden die Erträge der im Überschwemmungsgebiet des Flusses liegenden Wiesen und Äcker häufig fast gänzlich vernichtet. Auch war infolge der geschilderten Verwilderung des ganzen Flusslaufes das Grundwasser in den anliegenden Flächen so hoch gestiegen, dass diese teilweise versumpften oder ertraglos und unzugänglich geworden waren. In Anbetracht der genannten schadenbringenden Launen der Donau fand man es in der Neuzeit für gut, eine ziemlich weitgreifende Korrektur ihres Laufes vorzunehmen.

Auf den Markungen Ehingen, Nasgenstadt und Gamerschwang wurde erstmals im Jahr 1853 dem Plan einer durch alle drei Markungen fortgesetzten Korrektion der Donau nähergetreten. Die Gemeinden wandten sich an das Ministerium des Inneren mit der Bitte um Ausführung der Korrektion durch den Staat. Im Jahre 1865 stellte der Staat einen gemeinschaftlichen Korrektionsplan fest, welchen die Gemeinden danach zur Ausführung brachten. Auszuheben waren im Ganzen sechs Durchstiche; auch musste auf der Gemarkung Ehingen die durch die Korrektion abgeschnittene Schmiech auf die Länge von 1 km korrigiert und in das neue Bett eingeleitet werden.

Am 25. März 1895 verlief die Donau das erste Mal im neuen Bett. Die Kosten der Ausführung betrugen für die Gemarkung Nasgenstadt, ohne den von der Gemeinde allein zu übernehmenden Grunderwerb, 29.523 Mark, wovon der Staat ca. 60% der Kosten übernahm. Dagegen erhielt Nasgenstadt die Flächen der alten abgeschnittenen Rinnsale zum Eigentum.

Der Hirtensee

Bei ihm handelte es sich um einen natürlichen See in der Gemarkung Nasgenstadt, der 1802 austrocknete.

Die Donauschifffahrt

Weil sich die Landstraßen damals in schlechtem Zustand befanden und oft nur bei trockenem Wetter befahrbar waren, wurde oftmals dem Wasserweg der Vorzug gegeben. Nicht nur von Ulm auf der Donau abwärts wurde die Wasserkraft für den Schiffsverkehr genutzt, es gab auch die Donauschifffahrt zwischen Ehingen und Ulm. So hatte der Fischer von Nasgenstadt des Öfteren Leinwand „auf dem Wasser“ nach Ulm zu führen. Wiederholt fuhren mehrere Zillen (große Frachtkähne) miteinander auf der Donau in das französische und kurbayerische Magazin nach Ulm mit Auflagen von Holz, Heu und Stroh, Roggen und Haber, wobei auch ein Nasgenstadter „Schiffsmeister“, Christoph Glaser, mitwirkte, der in den Büchern erwähnt wird.

VII. Ausführende Rechtspflege & Steuerwesen

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Strafmittel der Rechtspflege

An Strafmitteln herrschte größere Mannigfaltigkeit als heute. Strafgelder gehörten in der Regel zu jedem Straffall. Freilich war mancher Straffällige nicht in der Lage dazu. Gern angewendet wurde bei Frauen die „Geige“, wobei Kopf und Hände in ein geigenförmiges, flaches Holz mit drei Löchern gesteckt wurden und die Person in solchem Zustand der Öffentlichkeit ausgesetzt wurde.

Bei fleischlicher Vermischung lediger Personen mussten beide, er mit strohernem Degen, sie mit strohernem Kreuz, während des Gottesdienstes zu Nasgenstadt vor der Kirchentür stehen. Eine Ehebrecherin in Nasgenstadt wird 1724 dazu verurteilt, mit brennender Kerze während des Gottesdienstes vor der Kirchentüre zu stehen und nach acht Tagen den Flecken zu verlassen.

Interessant ist die Behandlung eines Selbstmörders zu Nasgenstadt im Jahre 1622, der sich in der Scheune eines Wirtshauses erhängt hatte. Die Angelegenheit wurde als ein Fall des Blutgerichts behandelt, welches der Magistrat über den spitalistischen Ort auszuüben hatte. Nach seinem Urteil wurde die Leiche durch den Ehinger Nachrichter und einen Gehilfen aus Munderkingen in ein Fass gebracht und dieses in das Donauwasser gesenkt. Auf einem Fischerboot begleiteten die beiden bis zum Öpfinger Donauwasser das Fass, auf dem geschrieben war: „Lasset dieses vorüberpassieren, weil er sich selbst den Tod angetan!“

Die Steuern

Die älteste Steuer, dem Landesherrn zukommend, war die Bürgersteuer. Von Häusern und Hofstätten wurde eine Wohnsitzsteuer erhoben. Sämtlicher ausgeschenkte Wein war in der indirekten Steuer dem Umgeld zu versteuern. So hatte der Wirt der Taberne zu Nasgenstadt, Jerg Haffner, statt des Umgelds jährlich „des Kaisers Pfennig“ bezahlt.

Bei der Übernahme der Wirtschaft durch seinen Sohn 1631 wird diesem künftig das Umgeld auferlegt mit den näheren Bestimmungen: Immer zur Quatemberzeit soll durch zwei verordnete Männer der auszuschenkende Wein samt Preis in ein Holz eingeschnitten werden (Kerbholz); nach Verlauf des Quartals soll der Wirt in Ehingen vor dem Spitalschreiber das Holz vorzeigen, um den darauf verzeichneten Wein einschreiben zu lassen und dann die Steuer zu entrichten.

Im spitalischen Nasgenstadt erhob der Zollmann Georg Kerle um 1670 im „Zollhaus“ den dortigen Brückenzoll und lieferte ihn im Spital in Ehingen ab. Die Spitaluntertanen zu Griesingen hatten dem Nasgenstadter Brückenzoller jährlich je eine Veesengarbe, Söldner und solche ohne Acker ein Buschel Stroh als Brückenzoll zu verabreichen. Der Zoller sammelte Garben und Buscheln selbst ein und drosch die Garben. Stroh und „Briez“ sowie ein Drittel der Veesen verblieben dem Zoller, die anderen zwei Drittel Korn bezog das Spital.

Die noch vorhandene Zollordnung bei der Nasgenstadter Brücke unterrichtet im Einzelnen über die Zollerhebung und stammt von 1717. Danach wurden erhoben:

  • Vom Wagen mit Kaufmannsgut: 6 k. (k. = Kreuzer)
  • Von 1 Wagen mit Wein, Frucht oder Salz: 4 k. 4 h. (h. = Heller)
  • Von 1 Wagen mit Bau- oder Brennholz, Brettern, Kalk oder Backsteinen: 3 k.
  • Wagen mit „Schnitzguss“, Heu oder Stroh: 2 k.

Ein „Karren“ wurde für einen halben Wagen gerechnet, weshalb obiges Gut, auf Karren geladen, immer mit der halben Gebühr verzollt wurde. Von 1 Pferd, mit Kaufmannsgut beladen, wurde erhoben: 1 k.; von 1 Pferd, das hin- und hergeführt wird: 1 k.; von 1 Füllen oder 1 Stück Vieh: 4 h.; von Schaf oder Schwein: 2 h.

Juden, welche die Brücke passierten, erfuhren eine besondere Behandlung: Kam einer zu Fuß, bezahlte er 2 k., kam er zu Pferd, dann 3 k. Der Brückenzoll wurde in die verschlossene Zollbuchse gegeben, zu der die Spitalpfleger die Schlüssel hatten. Der Zoller hatte jedes Quartal die verschlossene Zollbüchse ins Spital zu bringen, wo sie geöffnet und ihr Inhalt gezählt wurde. Ein Drittel erhielt der Zoller als Lohn. Bei seinem Dienstantritt legte dieser einen Eid ab, treu und redlich seines Dienstes zu walten. Wird die Brücke baufällig oder kommt sie sonst in Abgang, liefert das Spital das Holz und bezahlt die Zimmerleute, dagegen haben die Bauern daselbst zu fronen, wofür das Spital Brot reicht. Weiter führt die Zollordnung der Nasgenstadter Brücke von 1717 die Höhe des Zollbetrags „von einem beladenen Schiff“ und von „einem Schiff, daran Fisch angehenkt sind“ auf.

VIII. Kriegsjahre in Nasgenstadt

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Der 30-jährige Krieg

Während der schweren Heimsuchungen des 30-jährigen Krieges löste sich die bürgerliche Ordnung fast vollständig auf. Allerorten, in Wäldern und in einzelnen Schlössern sammelten sich Rotten von beutegierigen Leuten, welche bald unter dem Namen der Schweden, bald unter dem Namen der Kaiserlichen plündernd und raubend umherzogen.

Ein charakteristisches Beispiel für dieses zuchtlose Treiben bietet die, wie der Franziskanerchronist sich ausdrückt, „sehr heroische Tat“ eines Offiziers oder Unteroffiziers namens Hackh, welcher sich als angeblicher Parteigänger der Kaiserlichen mit sieben Musketieren in dem Schlösschen zu Gamerschwang eingenistet hatte. Die Stadtgemeinde Ehingen hatte 1646 eine aus verschiedenen Gegenständen bestehende Lieferung an die französische Armee in Ulm zu machen, welche von Nasgenstadt aus auf der Donau befördert werden sollte. Diesen Transport überfiel nun Hackh mit seinen Soldaten am Einschiffungsplatz in Nasgenstadt und wollte ihn in das Schlösschen bringen lassen. Aber sein Raub wurde von der wehrhaften Ehinger Bürgerschaft nach einem kurzen Gefecht wieder abgenommen und in die Stadt zurückgebracht.

Im Pfarrhaus in Nasgenstadt (neu erbaut 1802/1803) wurden bei kaiserlichen Truppenbewegungen Ende Mai 1619 dreimal die „Vallonen“ (womit die Herkunft des Kriegsvolks genannt wird) einquartiert. Während des Schwedenkrieges, erwähnt ein Geschichtsschreiber, blieben die Gefälle der spitalischen Lehensbauern aus und das Spital litt solchen Mangel, dass es dem Pfarrer in Nasgenstadt seinen Unterhalt nicht ausbezahlen konnte.

I. Weltkrieg

Am 01.08.1914 wurde von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser die Mobilmachung über das ganze deutsche Vaterland erklärt. Diese bereitete unter den Nasgenstadter Einwohnern starke Aufregung, die jedoch von den Gestellungspflichtigen mit Ruhe entgegengenommen wurde. Die Reserve wurde noch im gleichen Monat eingezogen. In den Mobilmachungstagen wurden in Nasgenstadt sechs Pferde abgenommen. An Naturalien: fünf Obstkörbe, sieben Zentner Speisekartoffeln, zwei Sack Kraut, eine Partie Gemüse und 465 Eier.

Das Eiserne Kreuz II. Klasse verdienten sich die Nasgenstadter Anton Freudenreich, Eugen Sträbele, Josef Sträbele, Hauptlehrer Schmid und Engelbert Frankenhauser. Das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse erhielten Karl Kräutle und Desiderius Ersing.

Am 09.11.1918 wurde der Waffenstillstand des Weltkrieges erklärt. Es erfolgte sofort die Demobilmachung und die deutschen Heeresmassen mussten innerhalb 14 Tagen den Rhein überschritten haben; ansonsten gerieten sie in Kriegsgefangenschaft. Die Kriegsgefangenen kehrten erst Ende des Jahres 1919 nach Nasgenstadt zurück. Johannes Sträbele, Franz Xaver Knaisch jun., August Kräutle, Eugen Sträbele und August Fritzenwenger erzählten von ihrem besonders schweren Los in Frankreich und wünschten sich lieber den Tod, als noch einmal eine solche Gefangenschaft durchzumachen.

Während des Krieges wurde die Donaubrücke durch Wache der Ortsangehörigen abwechselnd bewacht, ja sogar der Ortsgeistliche Pfarrer Gaus übernahm über die Ernte 1915 öfters Posten, während die Landwirte die Ernte einbringen mussten. Mit Hilfe von acht russischen Gefangenen, welche bei größeren Landwirtschaften mit Zufriedenheit arbeiteten, wurden die landwirtschaftlichen Geschäfte besorgt. Untergebracht waren sie im Wachlokal des Alois Würz, das in der heutigen Ufergasse stand. Das Verhalten der Gefangenen war anständig und ordentlich; sie waren stets recht fleißig, treu und willig und unterhielten sich in der Baracke meistens mit Kartenspiel, Musik und Holzschnitzereien. Sie wurden mit Wehmut und Trauer 1919 in ihre Heimat entlassen.

Ihre Heimat nie wieder sahen: Severin Frankenhauser, Martin Schmid, Franz Xaver Maier, Kuno Braig vom Ernsthof, Josef Sträbele, Johannes Kräutle, Eugen und Franz Heudorfer sowie der vermisste Johannes Götz.

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges waren sehr darniederliegend. Steuern und Abgaben mehrten sich von Jahr zu Jahr. Am 22.11.1922 kostete 1 Pfund Butter 1.050 Mark und Schuhe bis zu 1.800 Mark. Bereits ein Jahr später kostete ein Liter Bier 400 Mrd. Mark, 1 Pfund Butter 3 Billionen Mark und Schuhe 15 Billionen Mark.

II. Weltkrieg

Dieser Krieg war für die hiesige Bevölkerung verheerender als der erste, da insbesondere die Zivilbevölkerung in Betroffenheit geriet. Oftmals wurde bei Fliegeralarm der ehemalige Eiskeller der Gaststätte Adler aufgesucht.

Am 22.04.1945 kurz vor 23 Uhr hatte ein Feldwebel die in den 20er Jahren erbaute Donaubrücke bei der Kapelle gesprengt. Zuvor waren der Gauleiter und Hitlergetreue über diese geflohen. Gleichzeitig stellten sich den Amerikanern, die auf dem Weg nach Ulm die Nasgenstadter Brücke überqueren wollten, Werwölfe (Kinder im Alter von 12-14 Jahren) aus den Räumen Ehingen, Blaubeuren und Ulm entgegen. Sie verschanzten sich in Nasgenstadt und schossen einen Panzer im oberen Bereich der Alten Steige ab. Hierbei wurde ein amerikanischer Soldat getötet. Nach eineinhalb Stunden Schießerei loderten die Flammen über Nasgenstadt. Die Anwesen Matthäus Zimmermann und Albert Kräutle, Scheunen und Stallungen von Konrad Freudenreich und Anton Kiem waren zerstört. Nur durch das mutige Entgegenstellen des damaligen Bürgermeisters Matthäus Zimmermann konnte Schlimmeres vermieden werden.

Da Nasgenstadt amerikanisch besetzte Zone und Ehingen französisch besetzte Zone war, kam es zu Plünderungen von Steppdecken, Besteck und Vieh durch Teile der französischen Armee (Marokkaner), wobei sich die Amerikaner prodeutsch verhielten.

Ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Nasgenstadt wurde von der dankbaren Heimatgemeinde ihren gefallenen Söhnen gewidmet, wobei teilweise die Söhne einer ganzen Familie ihr Heimatdorf nicht mehr zu Gesicht bekamen: Karl Steinle, Josef Albert und Johann Stumpp, Anton Freudenreich, Chrisostimus Kästle, Hermann Fossler, Johann Bailer, Karl Traub, Anton Rieder, Alois, August, Erhard, Martin und Karl Sträbele, Wilhelm Würz, Mathias Kiem, Franz Schüssler, Maximilian Ruß. Vermisst: Karl Freudenreich, Karl Zimmermann, Matthäus Maier, Jakob Würz und Anton Steinle.

IX. Schulwesen

Seit der Neuordnung des Schulwesens schritt man allerorts in Vorderösterreich zur Verbesserung der Schulverhältnisse. In unmittelbarer Umgebung von Ehingen erbauten Orte eigene Schulhäuser, deren Kinder bisher in Ehingen die Schule besucht hatten. So wurde in Nasgenstadt 1784 ein „Normalschulhaus“ fertiggestellt und die Gemeinde löste sich von der Ehinger Schule los. Die Nasgenstadter hatten ihre Kinder zuvor 3 Jahre lang in die Ehinger Stadtschule geschickt und hierfür in jedem Jahr mit 36 fl. den Ehinger Lehrern zur Erhöhung ihres Einkommens beigetragen. Die Grundschule blieb bis zur Übernahme 1973 durch die Ehinger Schulen in Betrieb.


Schulklassen von 1927
Obere Reihe von links: Wilhelmine Stumpp, Wilhelm Wörz, Chrisostomus Kästle, Wendelin Bailer, Paul Schmid, Max Ruß, Wilhelm Schüßler; Theresia Schüßler 2. Reihe: Theresia Borst, Hans Stumpp, Anton Kiem, Martin Ströbele, Paul Ströbele, Anton Ströbele, Karl Schüßler, August Ströbele, Xaver Borst, Anna Götz 3. Reihe: Anton Steinle, Maria Kiem, Rosa Schüßler, Lina Kley, Pia Schüßler, Lina Ströbele, Maria Ersing, Gretel Ersing, Frida Ströbele 4. Reihe: Erhard Steinle, Elisabeth Kiem, Emilie Kästle, Josefine Ersing, Josefine Schüßler, Erhard Ströbele, Hildegard Schüßler, Alfons Borst. Flankiert von Pfarrer Klaus und Oberlehrer Schmid

X. Wirtschaft

Landbau

Einen Steinbruch gab es im Jurakalk bei Nasgenstadt, wobei Kalksteine und Gerölle zum Bauen und Brennen und die Tonerde für Töpfer und Ziegler verwendet wurde. So wurde z. B. die Liebfrauenkirche auch mit Tuffsteinen aus Nasgenstadt erbaut. Eine Lehmgrube gab es auch am Nasgenstadter Weg nahe der Stadt Ehingen, wie der einstige Flurname „Lehmgrube“ (Lehmgrub) beweist.

Obstzucht und Weinbau

An der Halde von Nasgenstadt sollen einst Weinberge gewesen sein. In diesen Gärten wurden zum Teil in Spalieren Trauben gepflanzt. Der Obstanbau erreichte in Nasgenstadt Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts seine größte Blüte. So wurde Obst sogar an Händler des Stuttgarter Raums verkauft.

Zahl der tragenden Obstbäume im Jahr 1891:

  • Kernobst: ca. 2.000 Stück
  • Steinobst: ca. 1.615 Stück

Zahl der tragenden Obstbäume im Jahr 1934:

  • Tafelobst: 1.113 Stück
  • Mostapfelbäume: 653 Stück
  • Nicht ertragsfähige Bäume: 908 Stück
  • Birnbäume: 836 Stück
  • Pflaumen/Zwetschgen: 486 Stück


Erntedankwagen – Die Nasgenstadter nahmen früher mit eigenem Wagen am Erntedankumzug in Ehingen teil)

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Fläche betrug 1934 insgesamt 258,70 ha, wobei sich der Viehbestand aus 38 Pferden, 335 Rindviechern, 273 Schweinen, 10 Schafen und 22 Ziegen zusammensetzte. 1970 ging durch die Entwicklung der Arbeiterwohngemeinschaft die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe auf 24 zurück, die jedoch durch Zukauf 314 ha landwirtschaftliche Nutzflächen bewirtschafteten.


Landwirt Franz Xaver Ersing mit Kuhgespann 1929 in der damaligen Ortsstraße)

Eisverkauf

Ein Nebenerwerb für die Bevölkerung bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Eisverkauf. Das Eis brach man mit einer großen Eiszange im Altwasser und verkaufte es mit dem Wagen nach Ehingen zu den Brauereien „Blaufeld“ und „Schwert“.

In Nasgenstadt wurden extreme Wintertemperaturen verzeichnet:

  • 1905: -15 Grad gemessen.
  • 1908: Die Donau war auf längere Zeit vollständig zugefroren.
  • 1911 und 1929: Die Temperatur erreichte sogar bis zu -30 Grad.
  • 1933 (um Nikolaus): Es setzte starker Schneefall ein, sodass die Fronmannschaft drei Tage brauchte, um den Durchgangsverkehr einigermaßen zu ermöglichen. Die Donau war in diesem Winter bei -18 bis -25 Grad für 10 Tage zugefroren.

Fischereiwesen

Im Sommer holten Fischer zentnerweise Weißfische, Rotfische und Hechte aus der Donau. Die Netze wurden mit langen hölzernen Nadeln selbst gefertigt. Fischwürste und Fische wurden auf den Wochenmärkten und im Umkreis verkauft.

Schmiedehandwerk

Bereits seit dem 18. Jahrhundert hat sich eine Schmiedewerkstätte in der Schmiedsgasse angesiedelt. Mit teilweise selbstgefertigtem Werkzeug sowie einem blasebalgbetriebenen Ofen ausgestattet, ist die Schmiede, die bis vor kurzem noch von der Familie Steinle betrieben wurde, der älteste noch vorhandene Handwerksbetrieb in Nasgenstadt.

Zunft- und Handwerksstreitigkeiten

Ausgelöst wurden Gewerbestreitigkeiten gern, wenn Gewerbe oder Meister der Nachbarschaft ins eigene Zunftgebiet übergriffen:

  • 1802: Als in dem spitalischen Nasgenstadt in einer Bausache fremde Handwerker eingestellt werden sollten, protestierte das Spitalamt beim Oberamt Günzburg, da spitalische Untertanen oder Ehinger Handwerksleute zur Verfügung ständen.
  • 1728: Einer Bäckersfrau von Sontheim zu Nasgenstadt wird das Brot von der Ehinger Bäckerzunft weggenommen und dem dortigen Wirt verboten, solches zu besitzen. Da dieser sich nicht daran hält, wird es ihm darauf bei 10 Thaler Strafe untersagt und ihm aufgetragen, das für seine Taferne benötigte Brot entweder selbst zu backen oder in Ehingen zu kaufen.
  • 1788: Ein Nasgenstadter Schustergeselle will sich nach Berkach verheiraten und dort als Meister tätig sein. Er bittet die Ehinger Schuhmacherzunft um Aufnahme „in Zunft und Meisterhand“. Zur Hälfte ist die Zunft dagegen und protestiert, weil das Handwerk schon überdies überbesetzt sei, in Berkach kein Schuster gearbeitet habe und deshalb die Arbeit daselbst den Ehinger Handwerkern entzogen werde. Die andere Hälfte der Zünftigen ist nur bedingt dafür, nämlich wenn der Bittsteller keinen Gesellen und keinen Lehrbuben halte. Die Entscheidung überlässt man dem Magistrat (Ausgang unbekannt).
  • 1707: Das gesamte Bierbrauerhandwerk brachte vor dem Magistrat die Klage vor, dass die Herstellung von Bier in den Häusern und das Brennen des Branntweins überhandnehmen, was dem Landesfürsten an dem Umgeld Eintrag tue und ihnen selbst schade.
  • 1631: Der Wirt der Taberne in Nasgenstadt, der daneben noch einen Laden unterhält, darf kein Salz führen, weil in Ehingen „ein solcher Salzladt“ mit Alleinverkaufsrecht war.

Privatwasserleitungsgenossenschaft

Unter Vorsitz des Schultheißen Krutle, des Gemeinderats Josef Bausenhart und Karl Bitterle wurde in den Monaten Oktober und November 1904 von 16 Bürgern und unter Einbeziehung der Fa. Schäffler Ulm die Erstellung einer Hochdruckwasserleitung mit einem Kostenaufwand von 6.600 Mark durchgeführt. Die Rohrleitung führte vom Quellenschacht unterhalb der Rosengärten zur Behausung des Fuchsloch.

Die Fertigstellung wurde im November mit einem Wasserfest gefeiert, an dem sich die ganze Gemeinde beteiligte:

  • Am frühen Morgen Tagwache mit Böllersalven.
  • Sodann Gottesdienst mit Frühschoppen.
  • Hierauf Mittagsmahl bei Mitglied Braig in der seinerzeitigen Wirtschaft „Zur Krone“.

Im November 1906 wurde die Privatwasserleitung wieder erweitert, sodass das Rohrnetz sich durch den ganzen Ort hinzieht und jedem Bürger mit der Wohltat eines gesunden und guten Wassers gedient war. 1907 machte es eine anhaltende Trockenheit nötig, eine weitere Quelle im Dezember einzuleiten.

Molkereigenossenschaft

Gegründet im Juli 1906 unter Vorsitz des Ortsvorstehers Krutle wurde sie im damaligen Schulhaus eingebaut.

XI. Historische Vereine

Kriegerverein

Im März 1904 wurde unter Leitung des damaligen Ortsvorstehers Anton Krutle ein Kriegerverein gegründet, welchem 18 aktive und 12 passive Mitglieder beitraten. Die Fahnenweihe wurde im engeren Kreis der Ortsangehörigen am Pfingstmontag gefeiert. Den kirchlichen Akt der Weihe vollzog Pfarrverweser Schaupp.

Am 25.02.1905 feierte der Kriegerverein erstmals das Geburtsfest Seiner Majestät des allergnädigsten Königs Wilhelm II. Schultheiß Krutle brachte den Königstoast aus, in welchen der Verein mit Begeisterung einstimmte. Auf das an Seine Majestät gemachte Huldigungsschreiben traf folgende Antwort ein:

„Euer Wohlgeboren beehre ich mich höchstem Befehle gemäß mitzuteilen, dass seine königliche Majestät von dem neuen Militärverein zu allerhöchst ihrem Geburtsfest dargebrachten Glückwünsche wohlwollend entgegenzunehmen geruhten und für die hin durch bestätigte Aufmerksamkeit und Anhänglichkeit gnädigst danken zu lassen indem ich Euer Wohlgeboren ersuchen darf, hiervon auch den übrigen Beteiligten Kenntnis zu geben, beharre ich hochachtungsvoll für den Kabinettschef Göltingen.“

Jährlich abwechselnd mit dem Fahrradverein „Concordia“ spielten die Mitglieder des Kriegervereins in der Weihnachtszeit ein Theaterstück im jeweils überfüllten Adlersaal. Die Standarte des Kriegervereins wurde beim Einmarsch der Amerikaner zu Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört.

Darlehenskassenverein Nasgenstadt

Gegründet 1924 bei 26 anwesenden Mitgliedern unter Vorsitz von Franz Xaver Ersing. Als Rechner stellte sich Anton Borst zur Verfügung, nach ihm nahm die Familie Bausenhart in zwei Generationen diese Aufgabe wahr.

Nach anfänglichen Auflösungsgedanken wurde der Darlehenskassenverein unter Vorsitz von Josef Bailer umfirmiert zur Spar- und Darlehenskasse und 1969 zur Raiffeisenbank. Diese verlor 1981 ihre Selbstständigkeit durch das bestehende Kreditwesengesetz und wurde der Raiffeisenbank Ehingen angeschlossen.

Kirchliche Vereine / Bruderschaften

Im Diözesanarchiv Rottenburg lassen sich im Repertorium des Archivs der Pfarrei Nasgenstadt folgende christliche Zusammenschlüsse finden:

  • 1719–1838: Allerseelenbruderschaft
  • 1729–1821: Toten-Bruderschaft
  • 1894–1935: Christlicher Familienverein
  • 1896–1936: Corporis Christi Bruderschaft (Gegründet von dem damaligen Pfarrer Werrer zur Ordnung und Gestaltung der Fronleichnamsprozession)
  • 1925: Missionsverein, der ein Steinkreuz südlich der Sakristei errichten ließ.

Fahrradverein Concordia

Nach dem 1. Weltkrieg im Jahr 1920 wurde in Nasgenstadt der Radfahrverein „Concordia“ gegründet. Zwanzig sportbegeisterte junge Männer aus dem Dorf schlossen sich in der Interessengemeinschaft zusammen. 1921 ging es mit einem geschmückten, an die Räder gehängten Wägelchen zum Umzug auf die Alb nach Altheim, wobei die mitfahrenden Festwagen von der Jury bewertet wurden.

Im Sommer 1923 fand eine Hindernisfahrt über die Donau statt. Pflöcke wurden in das Flussbett geschlagen und darauf 30 cm breite Dielen genagelt, die sich zum Teil auf 10 cm verjängten. Über diesen Steg musste der Fluss überquert werden, um den geschicktesten Radler zu ermitteln.

Jährlich abwechselnd mit dem Kriegerverein spielten die Mitglieder der „Concordia“ in der Weihnachtszeit ein Theaterstück im jeweils überfüllten Adlersaal. Der letzte Vorstand der „Concordia“ war Karl Kley, der die 50 x 50 cm große, noch existierende Vereinsstandarte verwahrte. Die Standarte zeigt ein Rad, aus dessen Radnabe zwei Taubenflügel entspringen, sowie die auf Samt goldfarben gestickte Aufschrift: „Radfahrverein – Gott mit uns – Nasgenstadt 1923“. 15 verschiedene Erinnerungsbänder an Veranstaltungen und ein purpurfarbenes Band „Gestiftet von den Festdamen 27. Mai 23“ sind an der Standarte befestigt.


Fahrradverein – Personen von links: Franz Knaisch, Anton Krutle, Anton Würz, Josef Bailer, Albert Krutle, Josef Bausenhart, Otto Krutle, Anton Borst, Matthäus Zimmermann, Gretel Ersing, Xaver Borst, Karl Bitterle, Josef Ruß, Max Bitterle, Karl Kley, Josef Ströbele, Wilhelm Schüßler. Festdamen rechts im Bild: Christine Würz, Maria Würz, Maria Ruß, Maria Oberdorfer. Am Rathausfenster: Bürgermeister Anton Krutle; Fenster 1. Stock: Lehrerehepaar Schmid)

XII. Quellenangaben

  • Ehingen – Geschichte einer oberschwäbischen Donaustadt von Franz Michael Weber
  • Oberamtbeschreibung Ehingen von 1893, Kohlhammerverlag
  • Stiftungsarchiv Ehingen-Nasgenstadt; Museumsarchiv Ehingen
  • Beschreibung des Oberamts Ehingen von 1826, Kohlhammerverlag
  • Geschichtliche Forschungen über Ehingen und Umgebung von Dr. Hehle 1925
  • Alb-Donau-Kreis „Kunst und Landschaft“ von 1980
  • Alb-Donau-Kreis „Geschichte und Kultur“ von 1980
  • Hof- und Staatshandbücher Königreich Württemberg 1890-1903
  • Alb-Donau-Kreis Band II 1992
  • Repertorium des Archivs der Pfarrei Nasgenstadt, Diözesanarchiv Rottenburg Abt.: M113
  • Medizinischer Volks- und Volksaberglauben aus Oberschwaben von Dr. med. Buck 1865
  • Die Kunst und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg, Paul Neff Verlag 1911
  • Kunstwanderungen kreuz und quer der Donau von Alfons Kasper
  • Zweifalter Chroniken Ortliebs und Bertholds, Thorbecke
  • Ortsaufschriebe von Schultheiß Anton Krutle 1898-1933
  • Ortsnamensbuch Alb-Donau-Kreis und Ulm von Reichert, Kohlhammerverlag 1986
  • Zeitungsberichte ET und SZ sowie eigene Unterlagen

XII. Das Heimatlied – Mein Nasgenstadt